FAQ

  • „Wie und wofür verwendet Ihr Eure Gelder?“

    2015
    Anfang Dezember 2016 hat das renommierte Wirtschaftsprüferbüro Roever, Broenner, Susat, Mazars (das uns pro bono unterstützt) unseren Jahresabschluss für 2015 vorgelegt. Die Zahlen sind für eine Neugründung wie uns überaus stattlich. € 451.134,15 kamen insgesamt an Spenden zusammen – € 130.307,44 davon durch wiederkehrende monatliche Patenschaften. Schon in diesem allerersten Jahr unserer Arbeit reisten 29 Angehörige ein (darunter 12 Kinder) und wurden von uns finanziell versorgt – € 15.024,14 gaben wir für Flugtickets für die sichere Einreise aus, € 14.105,25 kosteten die Mietwohnungen und unser kleines Ladenlokal, damals noch in der Großgörschenstraße. € 39.052,31 zahlten wir schon 2015 als Lebensunterhalt nach SGB II aus.

    Vor allem war das Ziel unserer Arbeit, den 29 Hereingeholten den Lebensunterhalt und die Miete auch weiter zahlen zu können. 2015 galt die Bürgschaft noch unbefristet (erst am 6.8.2016 wurde sie per Integrationsgesetz auf 5 Jahre befristet). Wir mussten also sehr weit in die Zukunft planen. Für einen Erwachsenen benötigen wir im Schnitt rund € 600 im Monat, für ein Kind rund € 400. Bezogen auf die 29 im Jahr 2015 Eingereisten heißt das: 12 Kinder (=12x400x12) und 17 Erwachsene (=17x600x12) würden im Jahr € 67.200 für die Kinder und € 122.400 für die Erwachsenen nötig machen, zusammen also € 189.600 pro Jahr.
    € 377.353,35 ermittelten unsere Wirtschaftsprüfer als Vereinsergebnis für 2015 – wir hatten also für die 29 Hereingeholten schon im ersten Jahr Rücklagen für zwei Jahre erwirtschaftet. Ein gutes Ergebnis!

    2016
    2016 entwickelten wir uns rasant weiter. Gegenüber 2015 haben wir unsere Aktivitäten vervielfacht: 121 Menschen sind seit Beginn unserer Arbeit letzten Jahres in Deutschland eingereist. 34 weitere befinden sich nach erfolgter Bürgschafts-Unterschrift noch in der Abklärung durch die Ausländerbehörde oder haben schon Botschaftstermine bei den deutschen Botschaften in Beirut oder Erbil. Noch mal 16 sind in Vorbereitung, 6 davon schon mit Verpflichtungsgeber*in. Insgesamt holen wir also bereits 171 Menschen aus dem Krieg in Syrien hierher – viele in allerletzter Minute aus Aleppo und anderen grauenvollen Orten mit direkter Kriegshandlung.

    Auch die Spenden legten – verlangsamt, aber sehr stetig – weiter zu. Mit Stand vom 18.12.2016 verfügen wir über monatlich wiederkehrende Patenschaften von € 86.624,72, von denen jeder Cent in den Lebensunterhalt und die Miete der Hereingeholten fließt – und in die personenbezogenen Rücklagen dieser Menschen. Und seit unserer Gründung nahmen wir € 553.865,21 an einmaligen Spenden ein!

    Das klingt gewaltig – aber wir sind mit dem Hereinholen so vieler Menschen auch gewaltige Verpflichtungen eingegangen. Das zeigt allein der Blick auf die bereits Angekommenen: 39 von ihnen sind Kinder; für sie benötigen wir 5 Jahre lang € 187.200 im Jahr. Für die 82 Erwachsenen brauchen wir jährlich € 590.400. Wenn alle jetzt Angekommenen und schon auf den Weg gebrachten da sind, werden wir jährlich rund eine Million € für Lebensunterhalt und Miete aufbringen. Schon jetzt haben wir 40 Mietverträge unterzeichnet!

    Doch wir sind ja nicht allein mit dieser Aufgabe. 3.475 monatlich wiederkehrende Patinnen und Paten sorgen dafür, dass wir auch in Zukunft zahlungsfähig bleiben werden. Und weil immer wieder neue Patenschaften dazu kommen, können wir auch weiterhin das tun, wofür wir im März 2015 angetreten sind: Auch weiterhin Frauen, Alte und Kinder aus dem Krieg in Syrien hierher zu uns nach Deutschland retten!

  • „Könnt Ihr meine Angehörigen hereinholen?“

    Unser Angehörigenfragebogen, mit dem Sie für enge Verwandte in Kriegsgefahr um unsere Hilfe bitten können, war zuletzt am Dienstag, 2.5. von 10 Uhr bis Freitag, 5.5. um 22 Uhr geöffnet und ist leider im Moment geschlossen. Wir haben als kleiner Verein nur sehr wenig Kapazitäten und bekommen täglich zehn und mehr Anfragen von Hilfesuchenden. Bitte besuchen Sie diese Webseite regelmäßig wieder, um zu sehen, ob der Zugang an dieser Stelle in einigen Wochen (sicher nicht vor Mitte Februar!) temporär wieder geöffnet ist. Anfragen auf anderem Wege müssen wir leider zur Zeit absagen. Wir können im Augenblick leider keinen weiteren Menschen helfen.

  • „Can You help me to get my relatives or myself to germany?“

    In most cases, we are very sorry but we can not help You or Your relatives coming to Germany.
    This has some reasons:

    Today, there are only two ways to come to Germany legally.

    First way:
    If You are a father, mother or young (not adult) child already living in Germany, You can apply for asylum. If You get asylum (and not only subsidiary protection like 80% do), You can try to get your husband, wife or young children in (or Your parents if You are a child yourself). This takes very long (we heard it takes 18 months to get a visum at a german embassy at the moment), and we are not working in this issue and can not help or advice You – but it may work for You nevertheless.

    Second way:
    If You are living in a part of Germany with a so-called „Landesaufnahmeprogramm“ (at this time that’s Berlin, Brandenburg, Thüringen, Hamburg, Schleswig-Holstein) AND if You are registered in this place at least one whole year, it may be possible to get close relatives in to Germany with a visum. Close relatives means: Parents, grandparents, brothers (with wife and not-adult children), sisters (with husband and not-adult sisters). All other relatives like uncles, cousins etc will not get a visum.
    All relatives have to be in Syria or the neighbour states (not Greek).

    ALL other people will not get a visum from the german authorities. Also, if You are living in places like Bayern, Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Niedersachsen etc. where there are no Landesaufnahmeprogramme at this time, You can not get a visum for the this close relatives (excepting own husbands, own young children and own wifes as mentioned above as first way).

    If You are living in Berlin, Brandenburg, Thüringen, Hamburg, Sachsen, or Schleswig-Holstein for a year or longer, You need someone who signs a contract with the autorities for each single person („Verpflichtungserklärung“). In this, he or she declares to pay all costs of living and rent for five years. This has to be someone from Germany, and he or she has to earn at least 2.160 € netto a month (if not married; otherwise 800 € more and 400 € more for each child). In Brandenburg, the refugee living here also has to have a job himself earning at least 1.079 € netto a month.

    In some rare cases, we can help finding a person signing a „Verpflichtungserklärung“ and to make it easier for them to sign, we can pay the costs of living and rent. But we are just a small private initiative and need lot of donations to do so. For this reason, we can not help more than a few people a month (while at the same time we are getting 15 or more asks for help a DAY or some 500 a month). We decided that we concentrate on help for single people (like the old mother left allone in Aleppo or the sister with a baby too young for the way through the mediterranean sea). Groups of more than three relatives are too big to handle, because it takes too long to find enough people to sign. Also, we can not help people who are already outside of Syria. Life in refugees camps in Turkey, Lebanon or Jordania is maybe horrible, too – but bombing, raping and the danger of getting caught to the army are worse in Syria, so we concentrate on this.

    We can not answer every single ask for help. So we are working with an internet form, the „Angehörigenfragebogen“, where the person trying to get our help has to fill out some questions. This form can be usually found on our website, menue point FRAGEN at the Submenue „Könnt Ihr meine Angehörigen herausholen“. It has to be answered in german language. But most of the time, this form is CLOSED because we already have much more asks for help than donations. Go there and have a look – if it is closed, we are very sorry but we can not put You on any waiting list or whatever, and mails or visits will not change this. Every single case is sad and unbearable and most of all cases need urgent help – but we are too small to help everyone. We are very sad about this.

    So all in all: If You are in Berlin or Brandenburg longer than a year and thinking that we maybe could help You, please wait and look sometimes if our form is reopened again. If You are NOT, don’t expect our help or advice, because we are only working voluntary and are strictly concentrating on this single thing that we do. We decided to help a few very much – instead of helping everyone just a bit. Thank You for Your understanding and good luck.

  • Ein „autonomes Projekt“: Was ist das?

    In den vergangenen zwei Jahren haben wir erste Erfahrungen mit dem gesammelt, was wir „autonome Projekte“ nennen. Das sind Rettungsaktionen, die wir selbst eigentlich nicht machen würden – weil uns im Moment die finanziellen Mittel fehlen oder weil die Personen, um die es geht, sich in unseren Priorisierungsgesprächen gegenüber dringenderen Fällen nicht durchsetzen könnten.

    In mehreren erfolgreichen (und einigen gescheiterten) Versuchen wurde daraufhin mit den Unterstützern der Anfragenden vereinbart, dass sie versuchen würden, unser monatlich benötigtes Budget (600 für einen Erwachsenen und 450 € für ein Kind) unabhängig von unserer eigenen Arbeit autonom zusammen zu bringen. Mit Erreichen dieses Ziels würden wir die Personen in unsere Betreuung nehmen, evtl. fehlende Verpflichtungsgeber*innen bereitstellen und für die erforderlichen fünf Jahre gegenüber den so Hergeholten für Lebensunterhalt nach SGB II und Miete geradestehen.

    Der Erfolg eines solchen autonomen Projektes hängt maßgeblich vom Initiator ab. Und schon im Vorfeld sollten die folgenden Regeln der Zusammenarbeit erwogen und beachtet werden:

    1.
    Auch für autonome Projekte gilt: Wir arbeiten in Berlin und Brandenburg, in keinen anderen Bundesländern. Der sogenannte „Referenzgeber“ – der hiesige Geflohene, um dessen Angehörige es geht – muss also seit einem Jahr in Berlin oder Brandenburg gemeldet sein. Mehr dazu hier.

    2.
    Autonome Projekte müssen in jedem Fall mit uns vorab vereinbart werden. Wir unterliegen als gemeinnütziger Verein bestimmten Zwängen (z.B. zur Bedürftigkeit der Nutznießer), die auch Fälle außerhalb unserer eigenen Aktivität betreffen.

    3.
    Unsere eigene Aktivität unterliegt gewissen Bedingungen (z.B. Aufenthalt in Syrien, nicht im Nachbarland etc.), die wir auf autonome Projekte nicht 1:1 anwenden, bei der Zustimmung zu einem Projekt aber doch diskutieren. Wir behalten uns Absagen vor (etwa wenn eine Familie auch auf dem Weg des regulären Familiennachzugs zusammen kommen kann und Bürgschaften ohne große Not nur zur Verkürzung der Wartezeit dienen sollen). Vor allem prüfen wir die Durchführbarkeit eines Projektes, insbesondere das Vorliegen aller erforderlichen Dokumente und ihre Plausibilität, um nicht gemeinsam auf einen Fall hinzuarbeiten, der dann von der Ausländerbehörde abgelehnt würde.

    4.
    Das für einen Erwachsenen bzw. ein Kind benötigte monatliche Budget von derzeit 600 bzw. 450 € ist ein Mittelwert aus der Erfahrung mit mehr als 180 Menschen in unserer Betreuung und nicht verhandelbar. Es kann sein, dass „Ihre“ Schützlinge weniger benötigen, weil sie gleich arbeiten können, es eine Wohnung gibt oder sie Vermögen mitbringen: Das ändert für uns aber nichts an der Höhe dieses Budgets. Denn als Mittelwert wird es immer 50% Menschen geben, die weniger benötigen, und 50% brauchen mehr. An Spekulationen über den tatsächlich benötigten Betrag können wir uns nicht beteiligen, unser Budget ist definiert.

    5.
    Wir benötigen dieses Budget in Form von monatlich wiederkehrenden Spenden ab 10€, bevorzugt über unser Lastschriftformular. Im Betreff bzw Nachrichtenfeld sollte ein mit uns vereinbarter Projektname stehen.

    6.
    Einzelspenden können wir nicht berücksichtigen (oder, nach vorheriger Ankündigung, allenfalls anteilig mit Sechzigsteln auf den Monatsbetrag herunterrechnen)

    7.
    Ein Projektname in einer Überweisung stellt für uns keine zweckgebundene Spende dar, sondern ist nur ein Parameter, um Spendensummen zu zählen. Alle Spenden fließen in einen gemeinsamen Pool, aus dem Lebensunterhalt und Miete aller Hereingeholten von uns bezahlt werden.

    8.
    Alle Spenden werden auf Wunsch zum Ende eines Kalenderjahres von uns mit einer steuerlich absetzbaren Spendenquittung bestätigt.

    9.
    Erst mit dem Zustandekommen eines vereinbarten Budgetzieles beginnt unsere Aktivität. Die vorbereiteten Unterlagen werden an die Ausländerbehörde gegeben, die Abwicklung wird betreut, der Fall wird einer von unseren eigenen. Nach unserer Erfahrung vergehen zwischen dem Beginn unserer Arbeit und der Einreise der Personen etwa 10 Wochen.

    10.
    Um „Placebo“-Spender, die nach dem Erreichen des Zieles umgehend kündigen, auszuschließen, erwarten wir bei einem signifikanten Sinken des autonomen Budgets aktive Mitarbeit bei der Neuakquise.

    11.
    Wenn ein vereinbartes finanzielles Projektziel nicht zustandekommt, können monatliche Spender*innen ihre Überweisungen jederzeit stoppen. Ein Anspruch auf Rückzahlung besteht aber in keinem Fall.

    Das alles klingt sehr rigide und ist es auch (wir würden die Kredibilität bei unseren Verpflichtungsgebern verspielen, wenn wir unsere Spendenbasis nicht stabil hielten, die unsere solide Arbeit über die Dauer von 5 Jahren ermöglicht) – aber dennoch sehen wir autonomen Projekten gespannt und erfreut entgegen und sind gern bereit, unsererseits alles Erforderliche zum Gelingen beizutragen. Gerade unser Prinzip des Crowdfundings – des Erreichens großer Ziele mit kleinen Beträgen – macht autonome Projekte alles andere als hoffnungslos; das beweisen die, die ein solches Projekt schon erfolgreich mit uns abgewickelt haben und zu denen wir auch gern Kontakt herstellen.

  • „Wo finde ich Eure Kontonummer?“

    Wir geben es zu: Unsere Kontonummer haben wir absichtlich etwas versteckt, nämlich in unserem Impressum. Denn während unser gut datengeschütztes, schnell ausfüllbares Lastschriftformular uns viel Arbeit abnimmt und Ihre monatliche oder einmalige Spende gleich in unsere Spenderdatenbank überführt, müssen wir über das Konto eingehende Überweisungen von Hand erfassen und verwalten. Und wir erfahren von der Bank auch keine Kontaktdaten, um Ihnen beispielsweise eine Spendenbescheinigung oder weitergehende Infos über unsere Arbeit zuzuschicken.

    Deshalb die Bitte: Benutzen Sie möglichst unser Lastschriftformular für Ihre Spende, um uns diese Mehrarbeit bei unserer ohnehin sehr arbeitsreichen Arbeit für die Flüchtlingsfamilien zu ersparen.
    Aber natürlich liegt die Entscheidung ganz bei Ihnen, in jedem Fall freuen wir uns sehr über Ihre (möglichst regelmäßige) Unterstützung für unser Projekt. Herzlichen Dank!

  • „Endet die Verpflichtungserklärung mit der Asylanerkennung?“

    Nein! Das haben der Gesetzgeber und das Bundesverwaltungsgericht nunmehr so entschieden. Die Fortgeltung der Verpflichtungserklärungen betrifft sowohl jene, die vor dem 6. August 2016 – dem Inkrafttreten des neuen Integrationsgesetzes – abgegeben wurden (unter 1.) als auch solche Verpflichtungserklärungen, die seither unterzeichnet werden (unter 2.). Nur im Ausnahmefall kann einem Jobcenter oder anderen Behörden entgegen gehalten werden, dass es unverhältnismäßig wäre, den Verpflichtungsgeber in Anspruch zu nehmen (unter 3.).

    1. Für neue Verpflichtungserklärungen hat das Integrationsgesetz die Verpflichtungszeiträume zwar auf maximal fünf Jahre begrenzt, zugleich aber in einem neuen Satz 4 zu § 68 Abs. 1 AufenthG bestimmt, dass die Verpflichtungserklärung „nicht erlischt… durch Erteilung eines Aufenthaltstitels nach Abschnitt 5 des Kapitels 2 oder durch Anerkennung nach § 3 oder § 4 des Asylgesetzes“ (§ 68 Abs. 1 S. 4 AufenthG neue Fassung). Dies bedeutet: Die Anerkennung als Flüchtling, der Asylstatus oder subsidiärer Schutz sollen gerade nicht zum Erlöschen der Haftung führen. Ob diese Neuregelung mit der EU-Qualifikationsrichtlinie vereinbar ist, wird allerdings eines Tages der Europäische Gerichtshof (EuGH) klären müssen. Hiernach tragen die Mitgliedstaaten „dafür Sorge, dass Personen, denen internationaler Schutz zuerkannt worden ist, in dem Mitgliedstaat, der diesen Schutz gewährt hat, die notwendige Sozialhilfe wie Staatsangehörige dieses Mitgliedstaats erhalten“ (Art. 29 RL 2011/95/EU). Da Sozialleistungen deutscher Staatsangehöriger niemals von Verpflichtungserklärungen von Verwandten oder Dritten abhängig gemacht werden können – und auch eine Haftung Verwandter oder Dritter ausgeschlossen ist –, spricht manches dafür, dass diese den anerkannten Flüchtlingen vorbehaltlos gewährt und gewährleistet werden müssen. Bis zu einer Klärung werden allerdings noch einige Jahre vergehen.

    2. Auch für die zuvor abgegebenen Verpflichtungserklärungen hat das höchste deutsche Verwaltungsgericht – das Bundesverwaltungsgericht – nunmehr entschieden, dass eine Asyl- oder Flüchtlingsanerkennung an der Haftung für den Lebensunterhalt nichts ändert (BVerwG, Urt. v. 26.1.2017, BVerwG 1 C 10.16, www.bverwg.de). Wurde im Rahmen einer Landesaufnahmeanordnung und damit zu einem humanitären Schutzzweck eine solche Erklärung abgegeben, führe die Anerkennung als Flüchtling unter Erteilung einer entsprechenden Aufenthaltserlaubnis nicht zu einem anderen Aufenthaltszweck und verpflichte weiterhin zur Erstattung von Sozialleistungen, die der begünstigte syrische Angehörige in der Folgezeit bezogen habe. Das BVerwG hat sich damit ausdrücklich gegen die Auffassung vieler Bundesländer und Gerichte gestellt, die dazu eine andere Auffassung vertreten hatten (z.B. dem SG Detmold; LSG Sachsen-Anhalt; VG Minden). Ob das höchste deutsche Sozialgericht – das Bundessozialgericht –, der EuGH oder das Bundesverfassungsgericht hierzu eine andere Auffassung einnehmen wird, ist nicht ausgeschlossen, aber ungewiss. Allerdings sieht das Integrationsgesetz in § 68a eine „Übergangsregelung“ für die bis zum 5. August 2016 abgegebenen Verpflichtungserklärungen vor: Hiernach gelten die Sätze 1 bis 3 von § 68 „auch für vor dem 6. August 2016 abgegebene Verpflichtungserklärungen, jedoch mit der Maßgabe, dass an die Stelle des Zeitraums von fünf Jahren ein Zeitraum von drei Jahren tritt. Sofern die Frist nach Satz 1 zum 6. August 2016 bereits abgelaufen ist, endet die Verpflichtung zur Erstattung öffentlicher Mittel mit Ablauf des 31. August 2016.“

    3. Einer Inanspruchnahme durch die Jobcenter kann aber im Einzelfall möglicherweise der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit oder eine Anfechtung wegen Irrtums entgegen gehalten werden – bitte konsultieren Sie dazu einen Fachanwalt für Ausländerrecht: So ist nach der Rechtsprechung des BVerwG zum bosnischen Bürgerkrieg „unter Würdigung vornehmlich der Umstände, unter denen die jeweilige Verpflichtungserklärung abgegeben worden ist, zu klären, ob die Heranziehung zur vollen Erstattung der Aufwendungen … namentlich im Hinblick auf den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gerechtfertigt ist oder ob es weiterer Erwägungen bedarf, um zu einem angemessenen Interessenausgleich zu gelangen.“ Denn „anders als in den typischen Fällen, in denen der Aufenthalt des Ausländers in Deutschland allein oder überwiegend private Gründe hat und dementsprechend der Lebensunterhalt ausschließlich von privater Seite zu sichern ist, war die Aufnahme der bosnischen Bürgerkriegsflüchtlinge eine öffentliche Angelegenheit. … Dabei ist zu berücksichtigen, daß nicht nur die Verpflichteten ein Risiko eingegangen sind, sondern auch die zuständigen Behörden eine Risikoentscheidung getroffen und damit Mitverantwortung für die entstandenen Kosten übernommen haben. Sie haben sich nämlich zur Aufnahme von Bürgerkriegsflüchtlingen bereit gefunden, auch wenn im Einzelfall nicht nachgewiesen war, daß die Aufwendungen für deren Lebensunterhalt durch den jeweiligen Verpflichteten bei Eintritt aller Eventualitäten getragen werden können. Die zuständigen Behörden haben daher das mit der Einreise und dem Aufenthalt der Flüchtlinge verbundene Kostenrisiko gleichsam mitübernommen. Das macht es erforderlich, bei der Heranziehung zu Erstattungsleistungen im Ermessenswege zu prüfen, ob es unter Berücksichtigung aller Umstände gerechtfertigt ist, dass die finanziellen Folgen dieser Risikoentscheidung allein von den Verpflichteten getragen werden.“ (BVerwG, Urt. v. 24.11.1998, 1 C 33/97)

    Darüber hinaus hat das Verwaltungsgericht Wiesbaden mit Urteil vom 9.12.2016 entschieden, dass es denkbar sei, dass sich die Verpflichtungsgeber in einem – auch von den Behörden verursachten – Irrtum über die zeitliche Tragweite ihrer Erklärung befanden. Sie könnten ggf. ihre Verpflichtungserklärung mit Erfolg und rückwirkend anfechten (VG Wiesbaden, Urt. v. 9.12.2016, 4 K 545/16.Wi). Ob sich diese Sichtweise auch bei anderen Verwaltungsgerichten durchsetzt, bleibt abzuwarten.

  • „Wie kann ich Euch unterstützen?“

    Hier in Berlin und Brandenburg benötigen wir für organisatorisch-buchhalterische Aufgaben noch ehrenamtliche Unterstützung, ferner günstigen Wohnraum für die von uns betreuten Familien. Was konkret fehlt, sieht man immer auf unserer Seite HELFEN! Allerdings wollen wir kein großer, komplexer Verein werden, sondern zunächst vor allem viele regelmäßige Zahlungen einsammeln, um den vorgestellten Angehörigen eine langjährige, sichere Unterstützung zu gewährleisten und das finanzielle Engagement der Verpflichtungsgeber auf zahlreiche Schultern zu nehmen.

  • „Warum ist Eure Initiative auf Syrer beschränkt?“

    Nur für syrische Familienangehörige – z.B. Geschwister, Eltern und erwachsene Kinder von hier lebenden Syrern – haben die Bundesländer Aufnahmeprogramme aus humanitären Gründen aufgelegt (§ 23 Abs. 1 Aufenthaltsgesetz). Deshalb besteht nur für diese Personen die Möglichkeit, mit Hilfe von Verpflichtungserklärungen (= Bürgschaften, die den Lebensunterhalt gegenüber der öffentlichen Hand gewährleisten) Syrer auf sicherem Wege zu uns zu holen und sie hier zu unterstützen.

  • „Wie werden die Angehörigen ausgesucht, die der Verein unterstützt?“

    Die von uns unterstützten Familienangehörigen müssen formal unter die Landesaufnahmeprogramme von Berlin und Brandenburg fallen, d.h. der syrische „Einladende“ muss bereits seit einem Jahr in Deutschland leben. Soweit wie von uns generierte Spendenaufkommen und der Wohnraum reichen, möchten wir hier alle von Krieg und Hunger bedrohten Syrerinnen und Syrer gleich welcher Konfessionszugehörigkeit und Region unterstützen, deren Angehörige mit einem plausiblen Integrationskonzept auf uns zukommen – vorausgesetzt natürlich, es finden sich viele weitere Verpflichtungsgeber, die das Risiko einer persönlichen Einstandspflicht auf sich nehmen.
    Dabei beschränken wir uns auf Menschen, die sich aktuell noch in Syrien aufhalten und nicht bereits in einem Nachbarland Aufnahme zB in einem Flüchtlingslager gefunden haben.
    Neben der familiären Situation versuchen wir in einem Erstgespräch und durch externe Berater/innen auch die individuelle Gefährdungslage einzuschätzen.

  • „Warum können die Angehörigen nicht einfach selbst als Flüchtlinge einreisen?“

    Das Flüchtlingskontingent der Bundesregierung ist ausgeschöpft; und der reguläre Familiennachzug ist beschränkt auf unmittelbare Angehörige, d.h. Ehegatten und minderjährige Kinder. Sonstige Familienmitglieder (Eltern, Großeltern, Geschwister etc.) können aus den Kriegsgebieten und Anrainerstaaten nur nach Maßgabe der Landesaufnahme-Programme nachkommen; Voraussetzung ist, dass Inländer deren Lebensunterhalt übernehmen (Verpflichtungserklärung nach §§ 23, 68 AufenthG). Mit solchen Verpflichtungserklärungen sorgen wir als Bürger dafür, dass Bund und Länder ihre humanitären Versprechungen auch tatsächlich einlösen.

  • „Kann ich auch selbst Verpflichtungsgeber/in werden?“

    Bei einem Monats-Nettoeinkommen oberhalb von 2.160,- € kann jede/r Bundesbürger/in eine (auf fünf Jahre befristete, aber nicht wiederrufbare) Verpflichtungserklärung für eine/n syrischen Angehörige/n abgeben. Wenn das für Sie infrage kommt und Sie ggf. mit unserer Hilfe das finanzielle Risiko reduzieren möchten, schicken Sie uns bitte eine Mail über unser Kontaktformular.

  • „Leute verpflichten sich, für die Angehörigen von Flüchtlingen aufzukommen; wozu braucht es dann noch Pat/innen?“

    Das Aufenthaltsgesetz lässt den Familiennachzug für Syrer zu, wenn ein Verpflichtungsgeber deren Lebensunterhalt trägt, d.h. der öffentlichen Hand keine Kosten entstehen (Ausnahme: Kranken- und Pflegekosten). Die Verpflichtungserklärung ist unwiderruflich und gilt nach Auffassung des Bundesinnenministeriums und des Berliner Innensenators für die gesamte Zeit des Aufenthaltes in Deutschland. Das daraus resultierende finanzielle Risiko für die Verpflichtungsgeber möchten wir gemeinsam schultern, um möglichst viele Menschen – meist Kinder, Kranke und Alte – aus Syrien zu retten: Je mehr Patinnen und Paten, desto mehr Verpflichtungsgeber!

  • „Seid Ihr auch über Berlin und Brandenburg hinaus tätig?“

    Derzeit können wir den Familiennachzug und die Integration in den Wohnungs- und Arbeitsmarkt nur für Berlin und Brandenburg organisieren. In Fällen aus anderen Bundesländern können wir nicht helfen! Wir möchten aber alle ermutigen, vergleichbare Initiativen wie unsere zu gründen und tragen sehr gerne zum Erfahrungsaustausch bei.

  • „Was geschieht, wenn viele Paten abspringen und die Flüchtlinge weiter versorgt werden müssen?“

    Ja, diese Frage stellen wir uns auch. Wir sorgen vor und geben nicht alles Geld sofort aus, sondern bilden für die hereingeholten Menschen personenbezogene Rücklagenkonten. So wollen wir auch noch weiterarbeiten können, wenn die Patenschaften in einigen Jahren mal rückläufig sind.

    Und: Mit vielen Ehrenamtlichen – allein 15 Sprachlehrer/innen und -Laien, 20 Familienlotsinnen, dem 12köpfigen Vereinsteam! –  wollen wir die Angehörigen schnell in unsere Sprache, unser Leben usw eingewöhnen und befähigen, auch für sich selbst zu sorgen und Arbeit zu suchen etc., um unsere Finanzmittel irgendwann nicht mehr zu benötigen (oder nur noch im Notfall).

    Ein medizinisches Netzwerk, das wir aufbauen, soll auch medizinischen Problemen vorsorgen. Ohnehin sind die Krankenkosten ja von der Bürgschaft ausgenommen; sie trägt das Bundesland.

    Im August 2016 wurde die Dauer unseres Engagements durch die Befristung der Verpflichtungserklärungen auf 5 Jahre festgelegt. Das hat für uns vieles planbarer gemacht!

    Aber natürlich bleibt ein Restrisiko für Martin Keune, Ulrich Karpenstein und die rund 120 anderen Verpflichtungsgeber*innen. Doch verglichen mit dem, was die Flüchtlinge selbst riskieren, ist es klein.