„Wie werden die Angehörigen ausgesucht, die der Verein unterstützt?“

Die von uns unterstützten Familienangehörigen müssen formal unter die Landesaufnahmeprogramme von Berlin und Brandenburg fallen, d.h. der syrische „Einladende“ muss bereits seit einem Jahr in Berlin oder Brandenburg polizeilich gemeldet sein. In anderen Bundesländern arbeiten wir leider nicht. In unserer Arbeit beschränken wir uns auf Menschen, die sich aktuell in Syrien aufhalten und nicht in einem Nachbarland leben. Die Angehörigen brauchen gültige Reisepässe, ein Familienregister mit zertifizierter deutscher Übersetzung und je nach Familienkonstellation weitere Papiere (zB. die Zustimmung nicht mitreisender Elternteile bei Minderjährigen).
Eine Bewerbung um Zusammenarbeit mit uns findet dann ausschließlich über unseren Angehörigenfragebogen statt; dieser Fragebogen wird geöffnet, sobald wieder genügend Patenschaften zur Verfügung stehen, um die Verpflichtungserklärungen finanziell abzusichern. Wer sich hier bewirbt, wird von uns nach verschiedenen Kriterien priorisiert. Wir versuchen (mit Hilfe der Berliner „Stiftung Wissenschaft und Politik“ und eigener Informationen), die schlimmste Gefährdungssituation möglichst tagesaktuell zu identifizieren. Wir beurteilen die Familienkonstellation und versuchen, zerbrochene Kernfamilien zusammen zu bringen, statt ganze Familien („Mein Bruder, seine Frau und seine Kinder“) herzuholen. Und wir blicken auch auf die Motivation und Möglichkeit, bei der Integration mitzuwirken. Die religiöse Orientierung dagegen beurteilen wir nicht.

Für all das haben wir ein internes Priorisierungssystem entwickelt. Wer es am allerdringendsten braucht, soll – sobald wie wieder ausreichende finanzielle Kapazitäten haben – Hilfe bekommen. Wegen der großen Zahl an Anfragen können wir aber leider nur noch selten helfen: Wir benötigen ja für jeden einzelnen Fall ein ausreichendes Spendenbudget auf sehr lange Sicht, eine/n Verpflichtungsgeber/in und meist auch Wohnraum in Berlin. Nur wenn wir diese Kapazitäten haben, können wir für einen weiteren Menschen die Einreise nach Deutschland ermöglichen. Dennoch können wir unabhängig vom aktuellen Spendenaufkommen beraten und Wege aufzeigen, wie Geflüchtete selbst eine Verpflichtungserklärung für ihre Angehörigen auf den Weg bringen.

Hinterlassen sie einen Kommentar